Zauri Matikashvili

Zauri Matikashvili

Geboren und aufgewachsen in Georgien,
lebt seit dem 12. September 2003, 9.53 Uhr, in Deutschland.
Seit 2014 Studium an der Kunstakademie Münster.

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Mavis und Kosmas

Video Installation (16:00), 2020
Kaum beachtet putzen und schrubben Reinigungskräfte an der Kunstakademie die Flure und Räume, fünf Tage in der Woche, immer von 6.00 bis 9.30 Uhr. Außerdem sorgen sie dafür, dass der Müll in den Atelierräumen beseitigt wird. Vieles, was vom Kunstmachen übrig bleibt, werfen sie in die Tonne – es sei denn, es ist als Kunstwerk zu erkennen oder zu schwer, um es zu heben. Der Film rückt die Reinigungskräfte Mavis Adu-Gyamfi und Kosmas Gavrawidis ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Er schaut ihnen bei ihrer Arbeit über die Schulter und lässt sie ausführlich zu Wort kommen.

Ahnen

Trilogie Video Installation, 2019
[Teil 1] Exsternsteine (37:40)
[Teil 2] Wewelsburg (13:09)
[Teil 3] Hermannsdenkmal (13:31)

Externsteine, Wewelsburg, Hermannsdenkmal: Die filmische Trilogie „Ahnen“ zeigt diese drei geschichtsträchtigen Orte in Ostwestfalen-Lippe aus verschiedenen Blickwinkeln und vor allem Gespräche mit den Menschen dort: Ausflügler suchen Erholung, Historiker Fakten, Esoteriker Kraftorte und Nazis die alten Germanen. Sie alle erzählen, was sie fühlen, was sie erlebt haben und was sie zu wissen glauben. An den Externsteinen gruben Archäologen in der Nazi-Zeit nach den Wurzeln der Irminsul, des germanischen Weltenbaums. Die Wewelsburg ist ein Renaissanceschloss bei Paderborn, das Heinrich Himmler mit gewaltigen An- und Umbauten zum Zentrum der SS umgestalten wollte; im benachbarten Dorf ließ er dafür ein KZ errichten. „Hermann der Cherusker“ hebt bei Detmold sein Schwert drohend in Richtung Frankreich. Das monumentale Denkmal wurde in den Jahren 1838 bis 1875 gebaut. In den Erzählungen der Menschen mischen sich die historischen Fakten mit Mythen von Helden, Antihelden und den Ursprüngen der Deutschen. So entsteht ein oszillierendes Mosaik der Nutzungen und Instrumentalisierungen von Geschichte, von Begegnungen und Ausgrenzungen, vom Picknick mit der Familie bis zum – manchmal gefährlichen – Ahnen eines höheren Sinns.

Der Ort

Video Installation (16:30), 2018
Der Film zeigt Begegnungen mit Menschen, die obdachlos leben und sich am zentralen Busbahnhof treffen. Es geht um große Fragen: Was ist Liebe? Und wo ist sie zu finden?

Shop in der Kunsthalle Düsseldorf

Installation und Performance
2017

In diesem Shop gibt es zahlreiche Objekte zu kaufen, die ich über mehrere Jahre hinweg weltweit in Museen, Galerien und Kunstveranstaltungen gesammelt habe. Dazu zählen Begleithefte zu Ausstellungen, Postkarten, Plakate, Bleistifte, Bücher, Kunstzeitschriften und Buttons, außerdem Kunstwerke, die in konzeptuellen Ausstellungen mitgenommen werden durften. Die meisten Gegenstände in diesem persönlichen Archiv waren ursprünglich kostenlos, haben für mich als Sammler – und vielleicht auch für andere – aber einen großen Wert. Ich verkaufe also Gegenstände, die ich eigentlich lieber für mich behalten würde, und muss mich ständig zwischen Weggeben oder Behalten entscheiden. Ich agiere performativ mit den Besuchern und thematisiere die Gefühle und Erinnerungen, die für mich mit den Gegenständen verbunden sind. Die Preise der Objekte setze ich radikal subjektiv fest: Je schmerzhafter das Weggeben für mich, desto höher der Preis.

Im Tunnel

Film (25.30), 2017

Der Film dokumentiert 24 Stunden im Hamburger Tunnel, den während des Neubaus des Hauptbahnhofs sehr viele Menschen als kürzesten Weg in die Innenstadt nutzten. Die Passanten reagieren mit Gleichgültigkeit, Neugier, aber auch Angst. Schließlich muss die Aufnahme für etwa eine halbe Stunde unterbrochen werden, weil besorgte Menschen die Polizei alarmiert haben.

Virtuelle Bratkartoffeln

Film (3:00), 2016

Am 28. August 2016 ist viel los rund ums Brandenburger Tor: An der Akademie der Künste kann man während der Berlin-Biennale in virtuelle Welten eintauchen. Halil Altindere zeigt ein Video mit dem Rapper Mohammad Hajar, Angela Merkel hat Tag der offenen Tür, „Identitäre“ demonstrieren, und ein Leierkastenmann spielt die „Berliner Luft“. Manches ist zu real, um nicht doch virtuell zu sein.

26. Mai ist unser Tag! 26 მაისი – ეს დღე ჩვენია!

Found-Footage-Video-Collage (6:48), 2016

Am Tag der Unabhängigkeit Georgiens von der Sowjetunion wurde 2016 ein Propagandavideo über das Fernsehen und in sozialen Medien verbreitet. Im Film sind berühmte georgische Persönlichkeiten wie Sportler, Schauspieler und Musiker zu sehen, die erzählen, wie stolz sie auf ihr Land sind. Diese Szenen sind im Split Screen mit einer dokumentarischen Found-Footage-Video-Collage kontrastiert, etwa mit Demonstrationen nationalistischer Parteien und der orthodoxen Kirche.


Kunst am Arbeitsplatz

Video (24:43), 2015

Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Oberfinanzdirektion Münster erzählen von der Bedeutung von Kunst in ihren Büros.

ამ კედლით ვერაფერს ვერ ვაკეთებ

Roter Edding auf weißer Wand, 2016

Museumswärter im Museum Ludwig

Live-Performance, 2015

Ich zog mich ähnlich wie ein Museumswärter an, befestigte an meinem Anzug ein Namensschild und ging in das Museum Ludwig in Köln. Ich verhielt mich wie ein Museumswärter und versuchte, möglichst lange unsichtbar zu bleiben.

მხედრული (Ritterschrift),

Live-Performance, 1.58.07 (Video mit Ausschnitten, 10.09), 7. Februar 2015

Während der Live-Performance „მხედრული (Ritterschrift)“ schrieb ich georgische Buchstaben mit rotem Edding auf ungrundierten Leinwandstoff. Dabei trug ich ein weißes Hemd, eine schwarze Hose und schwarze Schuhe. Ähnlich bekleidet musste ich in Georgien als Schüler zu Beginn des Schuljahres in der Schule erscheinen. Die Performance dauerte so lange, bis ich die ganze Stoffbahn mit Buchstaben vollgeschrieben hatte. Mit der Zeit schrieb ich immer schneller, in den Reihen der Buchstaben versteckte ich dabei eine verschlüsselte Botschaft.